Hund allein lassen üben: Probleme & Lösungen

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Wenn dein Hund allein bleiben muss, ist er gestresst und bellt oder jault? Ursachen für Probleme beim Alleinlassen gibt es viele. Erfahre, wie du deinem Vierbeiner helfen kannst.

11.11.2022

Hilfe, mein Hund kann nicht allein bleiben!

Wenn der Hund nicht entspannt allein bleiben kann, dann schränkt einen das nicht nur enorm im Alltag ein, es ist auch purer Stress für das Tier und für dich sicherlich auch. Wichtig ist, dass du die Stresssignale erkennst und das Problem nicht einfach ignorierst und hoffst, dass sich dein Hund irgendwann daran gewöhnt, allein zu bleiben.

Stressanzeichen beim Alleinlassen von Hunden

Kaum schnappst du dir deinen Haustürschlüssel, schon wird dein Hund unruhig und weicht dir nicht mehr von der Seite? Bleibt er allein zu Hause, dann bellt oder fiept er, läuft umher, ist unruhig oder zerstört Dinge - anstatt entspannt in seinem Körbchen oder auf dem Sofa zu schlafen. Nicht immer ist es sichtbar, dass dein Hund Stress hat beim Alleinlassen. Viele Verhaltensweisen sind allerdings ziemlich eindeutig erkennbar:

  • lautstarkes →Bellen, Winseln, Fiepen

  • rastloses umherlaufen, an der Tür hochspringen, aus dem Fenster schauen

  • das Ankauen / Zerstören von Gegenständen

  • in die →Wohnung pullern, ein Häufchen machen

  • starkes Hecheln und Speicheln

  • exzessives an den →Pfoten lecken und nagen oder sich kratzen

  • erschöpftes, müdes Verhalten, sobald du wieder zu Hause bist

Hunde sind Rudeltiere, weswegen es vielen von ihnen schwerfällt, allein zu bleiben. Zeigt dein Vierbeiner eindeutige Stresssignale, dann durchlebt er während deiner Abwesenheit eine schwere Zeit, was sich auch auf seine Gesundheit auswirken kann. Das Gute ist: Das Alleinsein kann trainiert werden. Auch dann, wenn dein Vierbeiner bereits aus den Welpenpfoten herausgewachsen und etwas älter ist!

Hund Schluckauf streicheln

Viele Hunde wären gern rund um die Uhr mit uns zusammen. Leider ist das nicht immer möglich, weswegen das Alleinlassen sehr wichtig ist.

Wieso kann mein Hund nicht allein bleiben?

Diese Frage stellen sich sicherlich viele Halter*innen, wenn der Hund, trotz aller Bemühungen, einfach nicht entspannt alleinbleiben kann. Um deinem Hund nachhaltig zu helfen und zu üben, dass er entspannt alleinbleiben kann, ist es wichtig, als Erstes die Ursache für das Problem herauszufinden. Dazu ist es sehr hilfreich, wenn Expert*innen zu euch nach Hause kommen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Denn wie bei vielen Erziehungssachen ist auch das Alleinlassen ein sehr facettenreiches Thema, an welchem mit den unterschiedlichsten Trainingsansätzen gearbeitet werden kann.

Hundetrainer*innen oder Verhaltenstherapeut*innen kommen zu dir nach Hause und schauen sich das Verhalten deines Hundes genauer an. Sie können dir erklären, was die Ursachen für das Problem ist und besprechen mit dir mögliche Trainingsansätze, die genau für dich und deinen Hund passen. Kommt ihr im Training nicht voran, habt Fragen oder durchlebt Rückschritte, stehen sie euch mit Rat und Tat zur Seite und begleiten euch bis zum Ziel!

Mit einer Tüte schmackhafter Snacks gelingt das Training gleich noch viel besser. Auch beim Alleinlassen kann ein langanhaltender Kausnack helfen, die Zeit ohne dich deinem Hund zu versüßen.

Mögliche Ursachen

Die Ursachen für Schwierigkeiten beim Alleinlassen können ganz verschieden sein. Im Folgenden stellen wir dir 3 häufige Gründe vor, bedenke allerdings, dass es noch viele weitere Ursachen gibt. Ebenso ist es auch möglich, dann es mehrere Gründe auf einmal gibt.

Verlustangst

Wie es der Name bereits verrät, handelt es sich bei einer →Verlustangst um die Angst vor den Verlust der Bezugspersonen. Diese äußert sich schon durch eine örtliche bzw. räumliche Trennung, meist dann, wenn der Hund allein bleiben muss. Der Ursprung dieser Angst kann in einem zu frühen Verlassen der Mutterhündin liegen, wie das häufig bei →Hunden aus dem Tierschutz der Fall ist, oder wenn das Alleinlassen im nicht langsam aufgebaut wurde, sondern der Welpe viel zu schnell zu lange alleine gelassen wurde.

Kontrollverlust

Verlustangst wird häufig mit Kontrollverlust verwechselt. Beide Zustände äußern sich nämlich mit ähnlichen Symptomen. Bei einem Kontrollverlust verfällt der Hund in eine Art Panik und Überforderung, sobald seine Menschen nicht mehr da sind und er sie nicht mehr kontrollieren kann. Oftmals ist den Halter*innen gar nicht bewusst, dass sie von ihrem Hund auf Schritt und Tritt kontrolliert werden und er Hund auch im Alltag Schwierigkeiten damit hat, die Kontrolle abzugeben.

Fehlende / unzureichende Auslastung

Einmal morgens und abends durch den Park spazieren und ein bisschen Bällchen werfen, das reicht deinem Vierbeiner - oder nicht? Manche Hunde entwickeln Schwierigkeiten beim Alleinlassen, weil sie nicht rassegerecht ausgelastet werden. Eine französische Bulldogge ist vielleicht mit zwei Runden durch den Park glücklich und zufrieden, wohingegen der Schäferhund schon etwas mehr Beschäftigung braucht - auch für den Kopf!

Vor allem Arbeitsrassen werden heutzutage gern als Alltagshunde gehalten. Oft wird allerdings vergessen, dass die Rassen einst eine Aufgabe hatten und deswegen mit mehr Energie und Cleverness daherkommen. Sind sie unterfordert, neigen sie zu Unarten wie Bellen, sich kratzen, Dinge zerstören oder entwickeln gar →aggressives Verhalten wie Leinenpöbeln.

Windhund liegt mit geschlossenen Augen auf Fell

Ein Hund, der entspannt in seinem Körbchen liegt und schläft - so stellt man sich das Alleinlassen idealerweise vor. Das Gute: Mit dem richtigen Ansatz kannst du es trainieren!

Mögliche Lösungsansätze fürs entspannte Alleinbleiben deines Hundes

Wie bereits erwähnt, sind die Trainingsansätze fürs Alleinbleibenüben sehr vielfältig und sollten unbedingt auf die Ursache für das Problem, also auf deinen Hund und auf dich abgestimmt sein. Deswegen empfehlen wir, gemeinsam mit erfahrenen Trainer*innen an dieser Thematik zu arbeiten.

Basierend auf den oben genannten Ursachen stellen wir dir 3 mögliche Trainingsansätze vor. Da Hundetraining- und erziehung sehr individuell und das Üben vom Alleinlassen kleinschrittig aufgebaut werden sollte, können wir leider keine Anleitung herausgeben.

Bei Verlustangst

Leidet dein Hund an Verlustangst, ist es wichtig, sehr behutsam, diszipliniert und geduldig zu trainieren. Meist fängt man erst mit einer räumlichen Trennung an, ohne die Wohnung richtig zu verlassen. Schlüsselreize wie den Hausschlüssel in die Hand nehmen, Jacke und Schuhe anziehen oder das Lieblingsparfüm auftragen sollten öfter im Alltag eingebaut werden. Ein fester Ruheort und eine Alleinbleib-Routine kann deinem Vierbeiner zudem Sicherheit geben und ihm helfen, sich während deiner Abwesenheit zu entspannen.

Bei Kontrollverlust

Das Thema Kontrolle und Kontrolle abgeben muss auf jeden Fall ganzheitlich betrachtet werden. Hier geht es nämlich primär darum, erst mal einige Grundsätze in der Mensch-Hund-Beziehung zu klären, bevor es ans eigentliche Training des Alleinbleibens geht. Hunde, die ihre Halter*innen kontrollieren, neigen zum ständigen Beobachten und hinterherlaufen und sind auch anfälliger für Verhaltensauffälligkeiten beim Spazierengehen.

Eine Möglichkeit ist es, hier über räumliche Grenzen zu arbeiten und dem Hund somit zu signalisieren "Du hast jetzt Sendepause, ich regel das.". Ein →fester Ruheplatz wie eine Hundebox ist hierbei hilfreich. Beim Gassigehen sollte darauf geachtet werden, dass der Hund →gut leinenführig läuft und nicht so viel selbst entscheidet.

Bei fehlender / unzureichender Auslastung

Ist dein Hund nicht richtig ausgelastet, solltest du dich einmal genauer mit der Rasse auseinandersetzen und überlegen, was deinem Vierbeiner Spaß macht. Dabei geht es nicht darum, 3 Stunden mit deinem Hund Fahrrad zu fahren, bis er todmüde umkippt und deswegen keinen Mucks von sich gibt, während du weg bist. Kopfarbeit ist hier das Schlüsselwort und eine rassegerechte Auslastung.

Je nach Vorlieben und Rasse gibt es zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, deinen Hund neben einem einfachen Spaziergang auszulasten. Informiere dich über Agility, Mantrailing, Obedience, Canicross, Bikejöring, Dummyarbeit, Longieren usw., probier ein paar dieser Sachen aus und starte ein gemeinsames Hobby mit deinem Hund. Nicht für jede Sportart musst du einem Verein eintreten, oft reicht auch schon das "laienhafte" Training im Garten oder Innenhof, um deinen Hund auszulasten. Natürlich kannst du auch hier gemeinsam mit Trainer*innen arbeiten.

Hovawart rennt durch Slalom beim Agility

Überlege einmal, ob dein Hund seiner Rasse entsprechend ausgelastet ist und was euch gemeinsam Spaß machen könnte.

Ab wann kann ich einen Welpen allein lassen?

Früh übt sich - das gilt auch für deinen Welpen. Deswegen kannst du →direkt mit dem Einzug deines Vierbeiners beginnen, ihn alleinzulassen. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass er 1 Stunde allein bleiben kann, während du einkaufen gehst. Aber schon kleine räumliche Trennungen helfen, dass er beim späteren Verlassen der Wohnung entspannt ist.

Je nachdem wie dein Welpe so drauf ist, kann ein Welpengitter hilfreich sein. So kannst du deinen Hund räumlich abgrenzen, ohne Türen schließen zu müssen und gleichzeitig sicherstellen, dass er dir nicht nachläuft. Beginne ganz kleinschrittig und lass den Hund erst einmal für einmal Tee kochen oder die Waschmaschine anstellen im Wohnzimmer allein. Nach und nach kannst du die Zeitdauer steigern und die Tür immer weiter schließen.

Auch für die →Welpenerziehung empfiehlt sich der Besuch einer →Hundeschule, solltest du Schwierigkeiten feststellen oder Fragen haben.

Undine Tackmann
Undine Tackmann