Hilfe, mein Hund hat Giardien! Was nun?

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Giardien sind Parasiten, die starken, übelriechenden Durchfall beim Hund verursachen können. Doch keine Sorge, viele Hunde erkranken im Laufe der Zeit daran. Unsere Tierärztin Rebecca erklärt dir die Ursachen und mit welcher Behandlung ihr Giardien wieder loswerdet.

23.02.2022

Hilfe, mein Hund hat Giardien! Was nun?

Dein vierbeiniger Liebling leidet an Durchfall und es wurden Giardien diagnostiziert? Damit bist du nicht alleine. Giardien zählen zu den häufigsten Endoparasiten bei unseren Fellnasen und viele Hundeeltern kämpfen mit ihren Vierbeinern gegen die kleinen Lästlinge. In diesem Artikel lernst du von unserer Pets Deli Tierärztin alles, was du wissen musst, um die Parasiten wieder loszuwerden.

Was genau sind Giardien und wie werden sie übertragen?

Die bei unseren Vierbeinern vorkommenden Giardien heißen Giardia canis. Es handelt sich dabei um mikroskopisch kleine Parasiten, welche aus nur einer einzigen Zelle bestehen. Betroffene Vierbeiner scheiden die Parasiten in Form von infektiösen Zysten mit dem Kot aus.

Durch direkten Kontakt mit Kot wie zum Beispiel durch Beschnüffeln von Kot oder Belecken am After können die Parasiten übertragen werden. Aber auch eine indirekte Übertragung über kontaminiertes Futter oder Wasser ist möglich. Kontaminiertes Wasser ist beispielsweise eine Pfütze draußen, die durch Regenwasser mit infiziertem Kot verschmutzt wurde. Wenn eine infizierte Fellnase sich am After leckt und danach aus einer Schüssel trinkt oder frisst, reicht das auch schon aus, um dieses Wasser oder Futter zu infizieren.

Schon 10 solcher Zysten können zu einer Infektion führen. Zum Vergleich: In einem Gramm Kot einer infizierten Fellnase können bis zu 10 Millionen Zysten enthalten sein. In kaltem Wasser können sie bis zu drei Monate infektiös sein. Kein Wunder also, dass die kleinen Lästlinge so weit verbreitet sind.

Nach der Aufnahme der Parasiten siedeln sie sich im Dünndarm an und entwickeln sich weiter. Nach 4-15 Tagen werden sie als infektiöse Zysten ausgeschieden und können erneut Vierbeiner infizieren.

Wie gefährlich sind Giardien?

Wie du bereits gelernt hast, zählen Giardien zu den häufigsten Endoparasiten. Unter dem Begriff Endoparasiten werden alle Parasiten zusammengefasst, die im Inneren ihres Wirtes leben, also wie bei den Giardien zum Beispiel im Darm.

Die meisten Giardieninfektionen verlaufen ohne Symptome. Das heißt die Vierbeiner scheiden die Parasiten zwar aus, erkranken aber nicht klinisch. Vor allem bei Jungtieren und immungeschwächten Tieren sind dennoch schwere klinische Symptome möglich. Das klassische Hauptsymptom stellt wiederkehrender Durchfall dar. Dieser ist meist gelblich, dünnbreiig, schleimig oder fettig und manchmal mit Blutbeimengungen. Es kann auch vorkommen, dass erkrankte Tiere trotz guter Futteraufnahme durch eine Störung der Nährstoffaufnahme abmagern. Erbrechen, kolikartige Bauchschmerzen sowie Vitamin B12 Mangel zählen zu den eher selten vorkommenden Symptomen bei Giardien.

Woher weiß ich, dass mein Vierbeiner infiziert ist?

Eine Untersuchung wird entweder im Zuge einer regelmäßigen Kotuntersuchung durchgeführt oder wenn tierärztlicher Verdacht einer Infektion bei deiner Fellnase vorliegt. Es gibt dabei verschiedene Methoden, die kleinen Lästlinge im Kot nachzuweisen. Am besten bringst du zum Tierarztbesuch ein bisschen Kot in einem Kotbeutel oder einem kleinen Gefäß mit, wenn möglich sogar eine Sammelprobe aus mehreren Häufchen.  

Je nachdem, ob deine Tierärztin oder dein Tierarzt einen Schnelltest zur Verfügung hat oder die Probe in ein Labor schickt, musst du entweder ein paar Minuten oder ein bis zwei Tage auf das Ergebnis warten. 

Giardien positiv - was jetzt?

Das Ergebnis ist da und dein Vierbeiner leidet an einer Giardieninfektion. Wie wird die Erkrankung behandelt und was gibt es zu beachten?

Die Therapie ist leider oft langwierig und es treten häufig wiederkehrende Infektionen auf. Es gibt verschiedene Wirkstoffe der Antiparasitika, die verwendet werden können wie beispielsweise Fenbendazol.

Die Medikamente werden als Tabletten verabreicht, die du deiner Fellnase zu Hause mit einem Leckerli geben kannst. Meistens werden zwei Behandlungszyklen mit einer einwöchigen Pause durchgeführt. Hier gibt es aber verschiedene Behandlungsprotokolle, die auch ständig weiterentwickelt werden. Manche besonders stark betroffene Tiere verlieren durch den starken Durchfall viel Flüssigkeit und sind dadurch schwach und dehydriert. In solchen Fällen kann ein stationärer Aufenthalt mit Infusionen und Schmerzmitteln nötig sein. In den allermeisten Fällen kannst du deinen vierbeinigen Liebling aber zu Hause mit den Tabletten behandeln.

Wenn du mehrere Vierbeiner hast, ist es empfohlen alle Hunde zu behandeln, da die anderen auch ohne klinische Symptome betroffen sein können. Auch wenn eine Giardieninfektion zufällig entdeckt wird, sollte dein Vierbeiner behandelt werden, um das Risiko einer Übertragung auf dich oder deine Kinder zu vermeiden

Es ist ganz wichtig auch an die Umgebung deines Vierbeiners zu denken:

  • Du solltest das Trinkwasser mehrmals täglich erneuern

  • Spüle die Trink- und Futternäpfe jeden Tag mit heißem Wasser ab.

  • Reinige die Liegeflächen deiner Fellnase gründlich, am besten mit einem geeigneten Desinfektionsmittel. Lass dich tierärztlich oder im Fachhandel beraten, welche Mittel gut geeignet sind. 

  • Halte den Afterbereich deiner Fellnase sauber, damit kein infizierter Kot abgeleckt werden und somit eine erneute Infektion entstehen kann.

  • Waschen mit Shampoo entfernt die Zysten aus dem Fell und auch Scheren der Analregion kann hilfreich sein, wenn dein Vierbeiner langes Fell hat.

  • Achte immer ganz besonders auf Hygiene und wasch dir gründlich die Hände nachdem du Kot aufgesammelt oder deinen Liebling gewaschen hast. 

Ungefähr eine Woche nach dem zweiten Behandlungszyklus solltest du eine erneute Kotuntersuchung durchführen lassen, um sicher zu gehen, dass ihr die Parasiten besiegt habt. 

Kann ich mich infizieren?

Es kommt zwar nicht so oft vor, aber die Antwort lautet: Ja, auch Menschen können sich mit Giardien infizieren. Kinder sind dabei besonders gefährdet, da die ja gerne mal Sand aus Sandkästen essen oder ihre Finger nach Kuscheleinheiten mit der Fellnase in den Mund nehmen. Es gibt unterschiedliche Typen von Giardien. Bei Hunden kommen am häufigsten die Typen C und D vor. Bis zu 20 % der Erkrankungen werden aber durch Typ A hervorgerufen, der auch bei Menschen zu Infektionen führen kann. 

Hygiene ist im Umgang mit infizierten Kot also das A und O. Wasch dir nach jeder Streicheleinheit unbedingt gründlich die Hände.

Was kann ich sonst noch tun?

Laut einigen Studien ist es hilfreich, bei einer Giardieninfektion Kohlenhydrate sowie übermäßigen Fettgehalt möglichst zu vermeiden. Achte also darauf, deine Fellnase gerade in dieser Zeit mit getreidefreien, kohlenhydratarmen Futter zu verwöhnen. Probiere dazu doch mal unsere →kohlenhydratarmen Nassfutter und →BARF Produkte. Auf Milchprodukte sollte dein Vierbeiner ebenfalls verzichten, wenn er mit Giardien kämpft.

Auch wenn ihr die Giardien nicht beim ersten Versuch loswerdet, gib nicht auf. Achte auf strikte Hygiene und vergiss die Umgebung deines vierbeinigen Lieblings nicht, dann schafft ihr das ganz bestimmt.

Picture Rebecca
Mag.med.vet. Rebecca Winkelmann, Tierärztin bei Pets Deli
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