Können Hunde Epilepsie bekommen?

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Dein hat plötzlich einen Krampfanfall und nun fragst du dich, ob er vielleicht Epilepsie hat? Unsere Tierärztin Rebecca erklärt dir alles Wichtige zu epileptischen Anfällen beim Hund, wie du sie erkennst und behandeln kannst.

24.02.2022

Können Hunde Epilepsie bekommen?

Alles scheint in Ordnung zu sein und plötzlich fällt dein Vierbeiner zu Boden und krampft am ganzen Körper. So ein Szenario löst zurecht Angst und Besorgnis aus. War das ein epileptischer Anfall? Gibt es Epilepsie bei Hunden? Unsere Pets Deli Tierärztin Rebecca erklärt dir alles Wichtige rund um Epilepsie beim Hund. 

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen beim Kleintier. Studien zufolge sind zwischen 0,6 % - 2,6 % der Hunde, die in einer Tierklinik vorgestellt werden, betroffen.

Epileptische Anfälle sind die Folge einer plötzlichen überschießenden Aktivität der Nervenzellen im Großhirn, was in Folge zu Krampfanfällen führt. Aber nicht jeder epileptische Anfall ist gleichzusetzen mit Epilepsie, deswegen ist es wichtig, hier zu differenzieren. 

Von Epilepsie spricht man, wenn zwei oder mehrere epileptische Anfälle ohne einen bestimmten Auslöser und mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 24 Stunden auftreten.

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Wie erkennst du einen epileptischen Anfall?

Bei einem klassischen epileptischen Anfall verlieren die Vierbeiner das Bewusstsein, sie fallen in die Seitenlage und krampfen am ganzen Körper. Ruderbewegungen und Streckkrämpfe sind typisch bei einem Krampfanfall. Häufig verlieren die Hunde auch Kot und Urin oder speicheln vermehrt. Die Krämpfe dauern oft nur ein paar Sekunden, manchmal auch länger und hören meistens von alleine wieder auf.

Gefährlichere Anfälle

Ein einzelner Anfall ist meist nicht lebensbedrohlich, besonders gefährlich wird es aber, wenn ein Krampf länger als 10 Minuten dauert oder die Anfälle so schnell hintereinander auftreten, dass die Fellnase dazwischen nicht mehr zu Bewusstsein kommt. Man spricht dann vom Status epilepticus, was ein lebensgefährlicher Zustand ist. Für die Besitzer:innen der Vierbeiner sind es Minuten des Schreckens, wenn ihr Liebling plötzlich am ganzen Körper krampft. Auch wenn der Anfall nur wenige Sekunden dauert, solltest du unbedingt zügig tierärztlichen Rat einholen.

Kleinere bzw. fokale Anfälle

Es gibt aber nicht nur klassische epileptische Anfälle, wo der ganze Körper krampft, sondern auch fokale Anfälle, bei denen nur ein bestimmter Teil des Großhirns betroffen ist. Die Vierbeiner sind hier in der Regel bei Bewusstsein. Häufig treten fokale Zuckungen im Gesicht oder an den Gliedmaßen auf oder äußern sich durch ruckartige Kopfbewegungen. Vermehrtes Speicheln oder Leerkauen können auch ein Anzeichen für einen kleinen epileptischen Anfall sein. Diese Art der Anfälle sind oft schwerer zu erkennen. Ein fokaler Anfall kann sich auch zu einem generalisierten Anfall entwickeln.

Erste Anzeichen

Deine Tierärztin oder dein Tierarzt wird dich wahrscheinlich fragen, ob sich dein Liebling vor dem Anfall anders verhalten hat als sonst. Oftmals zeigen die Vierbeiner nämlich vor einem Anfall eine gewisse Verhaltensänderung. Sie sind häufig unruhig, lecken sich die Lippen, speicheln mehr, ziehen sich zurück oder suchen plötzlich mehr die Nähe zu den Menschen.

Nach einem Anfall sind die meisten Fellnasen erschöpft und noch etwas benommen. Es können auch Stunden nach dem Anfall noch neurologische Ausfälle wie beispielsweise Desorientierung, ein wackliger Gang oder Drangwandern auftreten.

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Welche Ursachen gibt es?

Es gibt verschiedene Ursachen für Epilepsie bei Vierbeinern und man kann ganz allgemein zwischen reaktiven Anfällen und "echter" Epilepsie unterschieden.

Ursachen für reaktive Anfälle

Bei diesen Anfällen reagiert ein gesundes Gehirn auf Stoffwechselstörungen im Körper und sie werden somit nicht als Epilepsie bezeichnet.

Diese Störungen im Stoffwechsel können entweder durch äußerliche Einflüsse oder körpereigene Veränderungen des Stoffwechsels hervorgerufen werden. 

Äußerliche Einflüsse sind klassischerweise Vergiftungen. Es gibt viele giftige Substanzen, die neurologische Symptome herrufen können. Dabei müssen das nicht immer offensichtlich giftige Dinge wie beispielsweise →Giftköder sein. Auch Dinge, die für viele von uns ein großer Genuss sind, wie zum Beispiel Schokolade, können bei Hunden zu →Vergiftungserscheinungen führen.

Zu den körpereigenen Veränderungen gehören zum Beispiel →Lebererkrankungen oder schwere Nierenerkrankungen. Auch eine starke Unterzuckerung oder Verschiebungen im Elektrolythaushalt können zu reaktiven epileptischen Anfällen führen.

Ursachen für Epilepsie

Man unterscheidet hier zwischen struktureller und idiopathischer Epilepsie. Bei der strukturellen Epilepsie lösen Erkrankungen des Nervensystems die Anfälle aus. Das können zum Beispiel ein Gehirntumor, ein Schädeltrauma, Hirnblutungen oder Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute sein.

Die idiopathische Epilepsie ist die häufigste Art der Epilepsie und bedeutet, dass man keine Ursache finden kann. Der erste Anfall tritt hier meist zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr auf und die Genetik spielt eine große Rolle. Bei einigen Rassen wurde eine genetische Veranlagung nachgewiesen oder wird vermutet. Dazu gehören unter anderem Rhodesian Ridgeback, Border Collie, belgischer Schäferhund und Labrador Retriever.

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Wie kann man eine sichere Diagnose stellen?

Wie du bereits gelernt hast, gibt es verschiedene Ursachen für epileptische Anfälle sowie Epilepsie und häufig findet man keine Ursache. Die Diagnosestellung ist deswegen ein bisschen wie ein Puzzlespiel. 

Sie setzt sich zusammen aus dem Vorbericht (Alter, Rasse, usw.), einer klinischen sowie einer speziell neurologischen Untersuchung. Je nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen wird deine Tierärztin oder dein Tierarzt wahrscheinlich weiterführende Diagnostik vorschlagen. Dazu zählen eine Blutuntersuchung und in vielen Fällen bildgebende Verfahren wie MRT oder CT, wodurch strukturelle Gehirnveränderungen dargestellt werden. Man kann auch die Gehirnflüssigkeit auf Entzündungen und Krankheitserreger untersuchen. 

Je nach Ergebnis all dieser Untersuchungen wird dann eine Diagnose für deinen Liebling gestellt. Es kann für dich frustrierend sein, wenn keine Ursache festgestellt wird und deine Fellnase dann die Diagnose idiopathische Epilepsie erhält. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass es keine strukturellen Veränderungen im Gehirn deines Vierbeiners gibt, was auch eine positive Sache ist

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Wie kann man Epilepsie behandeln?

Wenn bei deinem Liebling Epilepsie diagnostiziert wird, ist das natürlich erst mal ein großer Schock. Wenn es sich um eine idiopathische Epilepsie handelt, bedarf dies in den allermeisten Fällen eine lebenslange Therapie mit sogenannten Antiepileptika, die du deiner Fellnase als Tablette verabreichst. Unsere leckeren →Pasteten mit Geflügel- oder Lebergeschmack sind hierbei ideal, um Tabletten zu verstecken.

Es gibt mittlerweile eine Reihe an Medikamenten, die gut wirksam sind, wie beispielsweise Phenobarbital oder Levetiracetam. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt wird für deinen Vierbeiner die richtige Behandlung wählen. Oft dauert es einige Zeit, bis sich der richtige Wirkstoffspiegel einstellt und du wirst mit mehreren Folge- und Blutuntersuchungen rechnen müssen.

Auch trotz gut eingestellter Behandlung wird nur bei circa  ⅓ der Hunde eine komplette Anfallsfreiheit erreicht und in etwa ⅓ der betroffenen Hunde spricht schlecht auf Antiepileptika an.

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Können mit Hunde mit Epilepsie gut leben?

Ein Vierbeiner mit Epilepsie stellt auf jeden Fall eine große Herausforderung dar, aber wenn die Fellnasen gut mit Medikamenten eingestellt sind, können sie trotzdem eine normale Lebenserwartung haben. Dein Liebling wird vielleicht nicht komplett anfallsfrei sein, aber du kannst mit Medikamenten die Anzahl der Anfälle reduzieren und die Lebensqualität von deinem Vierbeiner und auch von dir verbessern. Es ist sehr hilfreich, wenn du ein Anfallstagebuch führst und genau dokumentierst, wann und wie oft Anfälle auftreten und wie lange diese dauern. Das kann deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt helfen, die Therapie und Medikamente anzupassen. 

Wenn bei deinem Liebling eine Erkrankung als Ursache für die Epilepsie diagnostiziert wurde, ist auch die Behandlung der Grunderkrankung wichtig. Entzündungen können zum Beispiel mit Antibiotika behandelt werden. Bei Tumorerkrankungen gibt es in manchen Fällen die Möglichkeit für eine OP, Chemo- oder Bestrahlungstherapie.

Kann ich gegen Epilepsie vorbeugen?

Wie du bereits gelernt hast, wurde bei manchen Rassen eine genetische Veranlagung bestätigt oder wird vermutet. Wenn dein Liebling aus einer Zucht kommt, solltest du also unbedingt auf die Seriosität der Züchter:innen achten und genau nach möglichen Krankheiten der Elterntiere und deren Vorfahren fragen. Epilepsie kann aber auch bei allen anderen Rassen und Mischlingen auftreten. Die Rassen mit genetischer Veranlagung zu meiden gibt dir also keine Garantie, dass dein Liebling nicht an Epilepsie erkranken könnte. Spezielle vorbeugende Maßnahmen gibt es nicht. 

Epilepsie ist eine herausfordernde Erkrankung für dich und deinen vierbeinigen Liebling. Auch wenn ihr es nicht schafft, deine Fellnase ganz anfallsfrei zu bekommen, ist Durchhaltevermögen gefragt. Genieß die Zeit mit deinem Vierbeiner und freu dich über jeden anfallsfreien Tag.

Picture Rebecca
Mag.med.vet. Rebecca Winkelmann, Tierärztin bei Pets Deli
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